Auszüge aus meinem Chapbook "Innenhoftherapie"

Aktualisiert: 24. Sept 2020


transmediale


ich habe draußen geschlafen, ich habe hunger und mir ist kalt. ich habe keine bleibe, schrittweise gehe ich in den filmriss, in das tiefe gras entlang des flusses, der auberginefarben glitzert. alles, was ich brauche, ist nichtdenken, jahrelang. und singvögel, am himmel, ihr spiegelbild aus schwerelosigkeit. es fehlt nicht viel und wir nähen unsere zungen zusammen. geh, zähle das murmeln (rumification). entrücke auf der faulen haut, in den muttersprachen des lichts. in sekundenbruchteilen wird aus mehr als 30.000 daten eine digitale kopie meines gesichts erstellt. aber bin ich das wirklich? wie wirklichkeitsgetreu ist mein blick, während ich über unsere beziehung nachdenke, unentwegt. auf der transmediale spricht man von building acid communism, streut bewusstseinsbildende prozesse und die zuwendung zu einer politik der fürsorge. liebe, eingebettet in kollektives handeln, in kollaborative freude. ach, wäre es doch so, liebe transmediale.



ich schreibe in der ankleide des lichts

ich schreibe in der ankleide des lichts


ich schreibe, weil es mich gibt.

ich schreibe, weil ich glaube, dass es mich gibt.

ich schreibe, weil andere glauben, dass es mich gibt.


ich schreibe, um sichtbar unsichtbar zu werden.

ich schreibe, weil dieser ausgenblick aus mir herausschlüpft, reinkarniert als atemzug.


ich schreibe, um nicht weinend im bett zu liegen.

ich schreibe, weil es wie das leben auf der straße ist.

ich schreibe, weil es wie atmen unter freiem himmel ist.

ich schreibe, weil dieser augenblick nicht ohne mich auskommt.

ich schreibe als selbstzahler.


ich schreibe, um mich in eine außerirdische haut zu hüllen.

ich schreibe, um kettenreaktionsreflexe auszulösen.

ich schreibe, um sonnengeflechte aufzuspüren.


ich schreibe, um im licht der entwerdung zu erblühen.


ich schreibe in der ankleide des lichts.